Produktfoto Die Sonette an Orpheus

Rainer Maria Rilke

Die Sonette an Orpheus

Die Anfang Februar 1922 in nur wenigen Tagen niedergeschriebene Dichtung Sonette an Orpheus krönt gemeinsam mit den Duineser Elegien das dichterische Werk Rainer Maria Rilkes.

In den 52 Sonette spricht Rilkes lyrisches Ich als Sänger und Wanderer zwischen dem Göttlichen und den Menschen. In ihrer zyklischen Form erinnern die Gedichte an die altgriechische Lehr-Dichtung der Hymnen, wie sie häufig für Eingeweihte verfasst und unter dem Namen Orpheus verbreitet worden sind. Der Name des Verfassers steht hier wie dort als Synonym für Transzendenz, Überschreitung und Überwindung der scheinbar getrennten Welten ― des Dies- und des Jenseitigen.

Rilke hat den Gedichtzyklus der Sonette einem mit 19 Jahren verstorbenen Mädchen gewidmet – der Tochter eines befreundeten Ehepaares, deren Schicksal Rilke über Jahre hin begleitet und tief bewegt hatte, wie er seinem polnischen Übersetzer im November 1925 schrieb: um »das hier Geschaute und Berührte in den weiteren, den weitesten Umkreis einzuführen. Nicht in ein Jenseits, dessen Schatten die Erde verfinstert, sondern in ein Ganzes, in das Ganze …«.